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Evangelische Jugendhilfe Friedenshort

„Kinder und ihre Familien nicht im Stich lassen“

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Draußen unterwegs zu sein, wäre zwar auch in Gruppengröße erlaubt, erfolgt aber trotzdem nur in kleinen Grüppchen.

© Symbolfoto: Christian Schwier

Landkreis Northeim (usm) - Die Corona-Pandemie stellt auch den Bereich der Jugendhilfe vor große Herausforderungen. Die diakonisch-gemeinnützige Evangelische Jugendhilfe Friedenshort GmbH mit Sitz in Freudenberg und Einrichtungen im Landkreis Northeim begegnet diesen „mit großer Entschlossenheit, aber auch der notwendigen Besonnenheit“, wie Götz-Tilman Hadem als Geschäftsführer erläutert: „Die Aufgabe ist deshalb so groß, weil wir niemanden im Stich lassen wollen, der uns anvertraut ist, und zugleich in einer Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitarbeitenden stehen.“ Die Einrichtung Northeim des Friedenshortes leistet mit rund 50 Mitarbeitenden wesentliche der im Sozialgesetzbuch VIII verankerten Hilfen zur Erziehung, die durchweg im Auftrag der Jugendämter erfolgen: von stationären Wohngruppen über soziale Gruppenarbeit bis hin zur ambulanten Familienhilfe. Einrichtungsleiterin Carmen Louis ist es wichtig zu betonen, dass auch die Jugendhilfe zu den systemrelevanten Arbeitsfeldern gehöre.
„Die Mitarbeitenden im ambulanten Bereich gehen nach wie vor zu den Familien, natürlich mit Einhaltung des Abstandsgebots. Viele Kontakte finden auch draußen an der frischen Luft statt“, erläutert Carmen Louis. Die Soziale Gruppenarbeit kann aktuell in ihrer eigentlichen Form nicht angeboten werden – der Kontakt zu den Familien wird aber über Telefon aufrechterhalten: „Es ist uns ein Anliegen, Ansprechpartner für die Kinder und Eltern mit ihren Sorgen und Nöten zu sein“, erzählen die Mitarbeitenden der Sozialen Gruppenarbeit Uslar. Seit Kurzem holen sie die Kinder nun zudem einzeln von zuhause ab, um mit ihnen draußen Zeit zu verbringen. Kurz vor Ostern gab es für alle eine kleine Osterüberraschung, die die Mitarbeitenden den Familien vor die Haustüre brachten. Auch im Bereich der Verselbständigung, in dem Heranwachsende in einem eigenen Wohnbereich leben und lernen, ihren Alltag zunehmend eigenständig zu bewältigen, fehlt der persönliche Kontakt zu den Betreuern: „In der aktuellen Situation geht hier fast alles nur noch per Telefon – auch die Unterstützung beim Ausfüllen ellenlanger Anträge und der Korrespondenz mit Behörden“, so Mitarbeiterin Kristina Hepper.
Im Bereich der stationären Jugendhilfe kommen Schließungen nicht in Frage. „Trotz Pandemie muss der Schutzraum für alle Kinder gewährleistet sein“, sagt Louis. Maximal zwölf Kinder und Jugendliche leben in den Gruppen und werden rund um die Uhr betreut. Bisher hätten die Kinder und Jugendlichen mit großer Akzeptanz auf die Beschränkungen in ihrem Alltag reagiert, berichtet Louis. Dennoch: „Die Jugendlichen haben einen großen Bedarf an Zuwendung und das Bedürfnis, sich ihre Verunsicherungen und Ängste von der Seele zu reden. Ihre eigentlichen Probleme können sie ja nicht einfach über Bord werfen in dieser für alle schwierigen Zeit“, schildern die Mitarbeitenden aus der Wohngruppe Bad Gandersheim. Auch die Betreuer aus der Inobhutnahme für Kinder berichten, dass es für die Kinder schwierig zu verstehen sei, dass die Besuchskontakte nicht stattfinden könnten. Durch Videoanrufe bleiben die Kinder aber zumindest mit ihren Familien in „Sichtkontakt“.
Alle Mitarbeitenden versuchen, den Alltag so kreativ wie möglich zu gestalten. Spazieren gehen sie mit den Kindern zumeist nur noch einzeln – auch wenn eigentlich alle zu einem Haushalt gehören. „Wir haben das Glück, dass wir hier sehr ländlich wohnen und es viel Wald gibt“, ist Carmen Louis dankbar. So gibt es genug Möglichkeiten, sich an der frischen Luft zu bewegen, ohne anderen zu nahe zu kommen. In der Wohngruppe Bad Gandersheim wurde zudem spontan ein Beet im Garten angelegt und ein Fitnessraum eingerichtet.
„Sehr unangenehm ist das Einkaufen geworden“, berichtet unter anderem die Inobhutnahmegruppe. „Wir haben nun mal einen großen Verbrauch, was Lebensmittel, aber auch Haushaltsartikel wie heißbegehrtes Toilettenpapier angeht, da merken wir schon sehr verurteilende Blicke, wenn wir mehr als eine Packung kaufen. Ohne die vom Arbeitgeber erstellte Bescheinigung, aus der die Gruppengröße hervorgeht, würden wir häufig auch nicht mehr Ware bekommen.“
Trotz der großen Herausforderungen seien jedoch alle Beteiligten noch guter Dinge, ist Carmen Louis froh. „Alle unterstützen sich gegenseitig, das ist wirklich klasse. Mein großer Dank geht an die Kolleginnen und Kollegen ebenso wie an die Kinder und Jugendlichen, dass sie so toll mit der derzeitigen Situation umgehen.“ Und das Team der Sozialen Gruppenarbeit fasst zusammen: „Es ist sehr schön mitzuerleben, wie alle – Kinder, Eltern, Mitarbeiter und Leitung – gemeinsam Lösungen in dieser schweren Zeit gefunden haben und wir trotz Abstand zusammengerückt sind.“

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