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Zeit, Danke zu sagen

Betreuungsverein und Ehrenamt geht Hand in Hand

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Für sie sind Ehrenamtliche unverzichtbar (v.l.): Matthias Bellersen (Bereichsleiter der Betreuungsvereine des Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V., Edda Lüdeke (Betreuungsverein für den Bereich der Stadt Göttingen) und Jens Wollersen (Betreuungsverein für den Bereich Landkreis Northeim).

© Foto: privat

Uslar (usm) – Er steht im Kalender, der Tag des Ehrenamts. Doch wie viele Menschen wissen, wann er ist oder dass es ihn gibt? Laut statistischer Erhebungen des Online-Portals Statista gibt es zur Zeit 14,87 Millionen ehrenamtlich Tätige in Deutschland - der Tag des Ehrenamts am 5. Dezember soll ihnen allen Wertschätzung zollen, und das ist eine gute Geste. Was Ehrenamtliche leisten, ist in Zahlen oder schlichten Worten kaum auszudrücken. Bei den rechtlichen Betreuungen wird der Wert der Ehrenamtstätigkeit besonders deutlich. Matthias Bellersen, hauptamtlicher Betreuer und Bereichsleiter der Betreuungsvereine vom Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V. bringt das auf den Punkt: „Hätten wir die Ehrenamtlichen nicht, würde die komplette Betreuungslandschaft zusammenbrechen.“
Um sich der Thematik zu nähern, ist es wichtig, zu wissen, dass es überwiegend Ehrenamtliche sind, die die rechtliche Betreuung für Menschen übernehmen, die aus Krankheitsgründen nicht in der Lage sind, die eigenen rechtlichen Angelegenheiten zu regeln.
„Und deshalb ist es so wichtig, dass uns das Ehrenamt erhalten bleibt. Wir möchten die Möglichkeit nutzen und sämtlichen ehrenamtlichen Betreuern – sowohl den Angehörigen, als auch den Nichtangehörigen – Dank und Hochachtung für ihren unermüdlichen Einsatz aussprechen. Egal wo und auf welche Weise die Unterstützung geleistet wird, die Ehrenamtlichen bleiben die Helden des Alltags“ betont Matthias Bellersen, der seit 23 Jahren die Bereichsleitung der Betreuungsvereine im Albert-Schweitzer-Familienwerk inne hat.
Gerade im Fachbereich der Betreuungsvereine bedarf es viel Geschick und es ist ein Drahtseilakt, alles im Lot zu halten. Auf der einen Seite steigt die Zahl der zu betreuenden Menschen an, auf der anderen Seite fehlt es an der Finanzierung und damit auch an der Zeit für die Gewinnung, die Unterstützung, die Schulung und die Beratung der ehrenamtlichen Betreuer. Dies führt in der Zukunft zu einem weiteren Anstieg der von den Berufsbetreuern auszuübenden Betreuungen. Ein System, das droht zusammenzubrechen, wenn für diese Querschnittsaufgaben weder Zeit noch Geld vorhanden sind. Anerkennung für ehrenamtliche Betreuer muss anders aussehen.
Wie man es auch dreht und wendet: In der rechtlichen Betreuung geht es darum, wichtige Entscheidungen im Namen anderer zu treffen. Das ist nicht immer einfach und erfordert ebenso viel Empathie wie Konsequenz im Handeln. Zum Glück sind so viele Ehrenamtliche beharrlich in ihrem Tun und stellen sich den Herausforderungen. Denn es wird nicht nur dem Betreuten etwas gegeben, auch die Ehrenamtlichen fühlen sich von ihrem Einsatz erfüllt. So wollte Maria Renneberg „noch nicht zum alten Eisen gehören“ und Renate Wiegemann stellte durch die Betreuung ihres Vaters fest, „wie wertvoll diese Aufgabe ist“. Walter Hennies hingegen bringt diese Erfahrungen auf den Punkt: „Rechtliche Betreuung schafft Erfolgserlebnisse und gibt Bestätigung.“
Und alle haben in ihrem Ehrenamt etwas gemein: Das Wissen um Betreuungsvereine im Hintergrund. Profis, die zur Stelle sind, wenn es zu knifflig wird oder Probleme gibt und Fachkräfte, die auch ihnen eine Leistung erbringen: Sie bilden fachlich aus und begleiten kontinuierlich.
Es ist problematisch, dass der Einsatz im Ehrenamt in der Gesellschaft insgesamt rückläufig ist. Daher ist es umso wichtiger, vorhandene Unterstützer angemessen wertzuschätzen und sich zudem intensiv um ihren Ausbau zu kümmern. Edda Lüdeke vom Betreuungsverein für den Bereich der Stadt Göttingen denkt auch an die, die oft im Schatten stehen und macht aufmerksam: „Es wird oft vergessen, dass Familienangehörige, die Betreuungen für ihre Angehörigen übernehmen, auch ein Ehrenamt ausüben. Rechtliche Betreuungen sind eine komplexe Aufgabe, bei der den Betreuer die ganze Bandbreite aus dem Leben des Betreuten treffen kann.“
Jeder rechtliche Betreuer trage eine große Verantwortung, arbeite sehr persönlich und individuell mit den zu Betreuenden zusammen, betont sie und verlangt wie viele ihrer Kollegen deutschlandweit, dass unter diesen Umständen dafür Sorge getragen wird, dass den unterstützenden Vereinen nicht die Grundlage entzogen wird, kostenfrei und kompetent zu beraten, zu informieren und fortzubilden. Die ehrenamtlichen Betreuer, ob Angehörige oder Nichtangehörige, erfüllen in der Gesellschaft eine wichtige und unverzichtbare Aufgabe. Für Menschen, die oft eine umfangreiche Unterstützung benötigen, sind sie unabhängige persönliche Interessenvertreter.
Ohne Ehrenamtliche und ohne Betreuungsvereine als zentrale Anlauf- und Ausbildungsstätte führt der Weg wieder zurück zur eher unpersönlichen Betreuungsführung nach Aktenlage. Der lang erkämpfte und durch eine Gesetzesänderung beabsichtigte Fortschritt individueller und persönlicher Betreuungen nah am Betroffenen durch die rechtlichen Betreuer wäre nicht nur hinfällig, die Kosten für eine flächendeckende hauptberufliche Grundbetreuung wären immens. Allein finanzielle Planungssicherheit für die Betreuungsvereine setzt dieser Endlosspirale ein Ende und sendet die richtigen Signale. Denn ohne Frage gehört den vielen Ehrenamtlichen, die sich in ihrer Freizeit um Mitmenschen kümmern, für sie da sind und sie in ihrer Gänze wahrnehmen, gezeigt, dass das was sie tun nicht nur unverzichtbar und kostbar ist, sondern auch gewürdigt wird. Matthias Bellersen jedenfalls wünscht sich das sehr: „Liebe Ehrenamtliche, ein einziger Tag reicht nicht aus, um zu würdigen, was Sie tun. Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir alles dafür tun, um Sie in Ihrem Ehrenamt auch weiterhin bestmöglich zu begleiten.“
Und damit endlich was geschieht, unterstützen Matthias Bellersen und sein Team die Kampagne der Niedersächsischen Betreuungsvereine (www.kampagne-betreuungsvereine.de).

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