Drucken Versenden
Orientierung an Tarif-Einstiegsgehältern vorgeschlagen

Verkäuferinnen können auf Mindestlohn hoffen

Düsseldorf (AFP) - Die rund 2,8 Millionen Beschäftigten im Einzelhandel können im kommenden Frühjahr auf einen Mindestlohn hoffen: Arbeitgeber und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sind optimistisch, sich darauf in der ersten Jahreshälfte 2011 einigen zu können. Umstritten ist vor allem noch die Höhe der künftigen Lohnuntergrenze.
Im Supermarkt Bild anzeigen
Im Supermarkt © AFP

"Wir bauen darauf, dass uns die tarifvertragliche Umsetzung des Mindestlohns im ersten Halbjahr 2011 gelingt", sagte der Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser, dem "Handelsblatt". "Die Kollegen sind optimistisch, dass wir das im Frühjahr gebacken kriegen", sagte eine Verdi-Sprecherin AFP.

Ein Mindestlohn von zehn Euro die Stunde, wie ihn vor einigen Tagen die Billig-Supermarktkette Lidl gefordert hatte, "wäre schon eine Marke", sagte die Verdi-Sprecherin. Lidl habe "eindrücklich dokumentiert", dass ein Unternehmen diesen Lohn zahlen könne und "trotzdem Marktführer bleiben kann".

Sanktjohanser dagegen nannte als "Bezugspunkt" die Einstiegsgehälter der Einzelhandelstarifverträge, die derzeit je nach Region zwischen 7,00 und 8,80 Euro pro Stunde liegen. "Ein Mindestlohn, der sich an dieser Bandbreite orientiert, ist aus Sicht unseres Verbandes gut zu vertreten", sagte der HDE-Präsident dem "Handelsblatt".

Sanktjohanser begründete den Wunsch der Arbeitgeber nach einem Mindestlohn auch mit dem Image des Einzelhandels: Die vielen Diskussionen über umstrittene Arbeitsbedingungen, die es in jüngster Zeit gegeben habe, lägen nicht im Interesse der Branche. Die Pläne für den Mindestlohn seien "ein aktives Bekenntnis zur Tarif- und Sozialpartnerschaft im Einzelhandel". In die Kritik geraten waren in den vergangenen Monaten etwa der Drogeriediscounter Schlecker wegen der Bezahlung von Leiharbeitern, die Textilkette Kik wegen Lohndumpings und schlechter Arbeitsbedingungen und Lidl wegen der Bespitzelung von Beschäftigten.

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder